Den aktuellen Bedarf an Strom, Heizenergie und Treibstoff in der Kommune ermitteln

Wenn in Ihrer Kommune solche Daten bereits teilweise erhoben werden (z.B. für kommunale Betriebe, Gewerbebetriebe oder für Privathaushalte/-häuser), können Sie diese Daten als Grundstock verwenden. Unbekannte Bereiche sollten Sie schätzen, um einen möglichst genauen Überblick über den aktuellen Energiebedarf  vor Ort zu bekommen.

von Peter Schmuck und Marianne Karpenstein-Machan

Über die Strom-, Heizöl- und Gas- Jahresabrechnungen der Bewohner und Unternehmen, die ein Interesse an einer Versorgung mit erneuerbaren Energien haben, können über Hochrechnungen bereits erste Abschätzungen getroffen werden, die in der Regel für eine Vorplanung ausreichend sind. Der Vergleich mit anderen Kommunen ähnlicher Größe, die bereits eine detaillierte Bedarfsermittlung abgeschlossen haben, kann ebenfalls hilfreich sein.

Die Ermittlung des Wärmebedarfes kann über die Altersstruktur und den Sanierungsgrad des Gebäudebestandes mit entsprechenden typischen Kennwerten abgeschätzt werden. Dabei werden die vorhandenen Gebäude in Altersklassen eingeteilt und nach Wohngebäuden, Geschäften und Industriegebäuden getrennt. Über definierte Standardwerte und die entsprechenden Gebäudeflächen kann der jährliche Gesamtwärmebedarf abgeleitet werden. In sogenannten Wärmekatastern wurde das bereits für manche Regionen in GIS-Karten zusammengefasst, weshalb es sich lohnt, zu prüfen, ob die eigene Kommune möglicherweise bereits in einem solchen Kataster erfasst ist. Standardwerte für verschiedene Gebäudetypen sind in dieser Tabelle dargestellt:

Baujahr der GebäudeHeizwärmebedarf kWh/m²a
unsanierter Altbau360…440
bis 1977280…360
1977 – 1983200…260
1984 – 1994140…180
1995 – 2001100…120
2002 – (EnEV)70…80
Richtwerte für Heizenergiebedarf von Gebäuden nach Altersklasse (IBS-HLK)

Im Gegensatz zum Wärmebedarf reicht es bei der Ermittlung des Stromverbrauchs aus, den Gesamtbedarf der Kommune zu ermitteln. Informationen über den realen Strom-Gesamtverbrauch einer Gemeinde sollten die Netzbetreiber vorliegen haben. Teilen sich mehrere Netzbetreiber das Gemeindenetz sollte die Auskünfte von allen eingeholt werden.

Beim Strombedarf kann man sich auch an statistischen Werten orientieren. Folgende Tabelle zeigt verschiedene Methoden zur überschlägigen Abschätzung des Strombedarfes von Wohngebäuden:

Anzahl Haushalte*3.165 kWh/a=Gesamtstromverbrauch Wohngebäude in kWh/a
Gesamtwohnfläche*36,4 kWh/(m²*a)=Gesamtstromverbrauch Wohngebäude in kWh/a
Gesamteinwohnerzahl*1.700 kWh/a=Gesamtstromverbrauch Wohngebäude in kWh/a
Abschätzung Stromverbrauch Wohngebäude (StMUG Bayern 2011)

Der Stromverbrauch von Nichtwohngebäuden kann ebenfalls anhand statistischer Werte abgeschätzt werden – es empfiehlt sich hier allerdings, die ansässigen Betriebe zu befragen und die Verbrauchsdaten der öffentlichen Gebäude einzusehen, da in diesem Bereich die Abweichungen von statistischen Durchschnittswerten zum Teil sehr groß ausfallen können.

  • Dieser Leitfaden beschreibt die einzelnen Phasen der Erstellung eines kommunalen Energienutzungsplans mit ausführlichen Erläuterung zur Bedarfsermittlung von Strom und Wärme:

http://www.coaching-kommunaler-klimaschutz.net/fileadmin/inhalte/Dokumente/StarterSet/LeitfadenEnergienutzungsplan-Teil1.pdf

  • Auf dieser Webseite der Enbausa sind Wärmekataster in Deutschland zusammengetragen:

https://www.enbausa.de/heizung/heiztechniken/waermekataster-in-deutschland.html

  • In dieser Veröffentlichung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sind Benchmark-Größen für spezifische Energieverbrauchsdaten unterschiedlicher Nichtwohngebäude dargestellt:

https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2009/DL_ON092009.pdf;jsessionid=CD44BA6821DC8FF545250BCD58875F4E.live21303?__blob=publicationFile&v=1

  • In dieser Broschüre ist beispielhaft für die Planung einer kommunalen Wärmeversorgung dargestellt, wie die Bedarfsermittlung im Wärmebereich ablaufen kann:

https://www.unendlich-viel-energie.de/media/file/531.79_Renews_Spezial_Waermeplanung_Nov2016.pdf