Riesenweizengras (Agropyron elongatum)

Warum sollte man auf diese Technik/Entwicklung umsteigen?

Maisdeckel einhalten, Boden- und Gewässerschutz, Beitrag zur Artendiversifizierung in der Agrarlandschaft.

Stand der Entwicklung 

Das aus Vorderasien stammende, mit dem Weizen verwandte Süßgras wird in Deutschland zunehmend als alternative Energiepflanze sowie im Rahmen von Anbauversuchen der Landwirtschaftskammern angebaut. 2016 betrug die Anbaufläche etwa 6000 ha (1). Anbauversuchsdaten der Landwirtschaftskammer Nordrheinwestfalen haben bisher gezeigt, dass Riesenweizengras durch seine hohe Trockentoleranz und ökologische Vorteile wie Gewässerschutz und Biodiversitätsförderung (2) und auch aufgrund seiner langen Nutzungsdauer von 10-15 Jahren gegenüber dem Silomais punkten kann. Insbesondere auf weniger günstigen Standorten ist es dem Silomais hinsichtlich des Deckungsbeitrages immer überlegen (1). Wolf et al. (3) kommen unabhängig von Standortgüte und Pachtpreis zu demselben Schluss. Die Methangestehungskosten des Riesenweizengrases liegen demnach laut den Autoren schon bei einer 10-jährigen Nutzung auch auf besseren Standorten immer unter denen von Silomais. Riesenweizengras ist eine mehrjährig nutzbare Kultur, die ein tiefreichendes Wurzelsystem ausbildet und dadurch auch längere Trockenperioden gut übersteht.

Rechtliche Situation

Der Ackerstatus der Fläche bleibt trotz der Anbaudauer von über fünf Jahren erhalten: “Mehrjährige Energiepflanze”, CODE 853. Für die Unkrautbekämpfung in der Jungentwicklungsphase sind für Riesenweizengras inzwischen mehrere Präparate zugelassen. Nach der Etablierung hat Riesenweizengras eine gute Konkurrenzleistung gegenüber Ackerwildkräutern.

Wirtschaftlichkeit

Im Etablierungsjahr bildet das Riesenweizengras vor allem die unterirdischen Pflanzenteile aus, sodass erst ab dem zweiten Standjahr geerntet werden kann. Im Folgejahr können bei zwei Schnitten des Riesenweizengrases pro Jahr, je nach Standort, über 20 t TM/ha erreicht werden (4) (5). Aus ökonomischer Sicht bringt vor allem ein Anbau auf schlechteren Standorten Vorteile gegenüber dem Silomais (6). Auch die Methanausbeute des Substrates ist als gut einzustufen und liegt mit 280 – 330 l CH4/ kg organische Trockensubstanz auf dem Niveau vom Silomais (7). Aufgrund der geringeren Anbaukosten (nur eine Aussaat aber mehrere Nutzungsjahre) und den guten Trockenmasse- und Gasertragswerten liegen die Gestehungskosten pro m³ Methan unter denen vom Silomais (8).

Ökologie

Als mehrjährige Kultur mit ganzjähriger Bodenbedeckung leistet das Riesenweizengras einen guten Schutz vor Bodenerosion und führt zur Kohlenstoffanreicherung im Boden im Vergleich zu einjährigen Kulturen (6). Auch der Pflanzenschutz-Behandlungsindex fällt laut Landwirtschaftskammer Nordrheinwestfalen (2) geringer aus als bei Energiepflanzenfruchtfolgen. Durch einen niedrigen Stickstoffsaldo (Düngung minus Entzug) ist das Nitratverlagerungsrisiko sehr gering (6). Ein erhöhter Gewässerschutz ist durch das Riesenweizengras ebenfalls gegeben. Eine Rückführung der nährstoffreichen Gärreste kann zur Kreislaufwirtschaft beitragen.

Betriebliche Umsetzung

Als Dauerkultur fällt Riesenweizengras aus der Fruchtfolge heraus und benötigt eine Fläche, die über viele Jahre zur Verfügung steht.

Klimatische Voraussetzungen: Das Riesenweizengras stellt keine besonderen Ansprüche an das Klima und gedeiht unter mitteleuropäischen Bedingungen sehr gut. Es ist winterfest und relativ trockentolerant.

Hinsichtlich des Bodens ist das Riesenweizengras relativ anspruchslos, so dass ein Anbau auch auf Standorten mit geringer Bodengüte und in ackerbaulichen Grenzlagen über 600 m ü. NN möglich ist.

Saatgut: gibt es bei verschiedenen Züchterhäusern

Die Aussaat erfolgt mit herkömmlicher Drilltechnik von Juni bis August (höhere Lagen entsprechend früher). Der erste Schnitt erfolgt in den Sommermonaten und bringt etwa 70% des Ertrages, der zweite Schnitt erfolgt im Herbst.

Praxisbeispiel

wird zeitnah ergänzt

Zum Nachlesen

1. Aurbacher, J.; Kornetz, P.; Müller, J. Bewertung von Riesenweizengras im Vergleich mit praxisüblichen Anbausubstraten unter Aspekten des Pflanzenbaus, der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes (BRAWU). Teilvorhaben 2: Ökonomische Bewertung von Riesenweizengras. Abschlussbericht. Gießen, 2018.

2. Dickeduisberg, M. Riesenweizengras – alternatives Substrat für Biogasanlagen?, 2019. In: FNR/KTBL-Kongress “Biogas in der Landwirtschaft – Stand und Perspektiven, S. 103-109.

3. Wolf, L.; Schätzl, R.; Hartmann, A. Silomais ist nicht unersetzlich. Dem schlechten Image von Silomais steht immer das unschlagbare Argument entgegen: der unerreicht günstige Preis. Das muss aber nicht immer so gelten, zeigen Berechnungen aus Bayern. Dies gilt vor allem bei längerer Nutzungsdauer und auf weniger guten Standorten., 2016. DLG-Mitteilungen.

4. Hartmann, A.; Burmeister, J.; Fritz, M.; Walter, R. Dauerkulturen. Aufzeigen der bayernweiten Anbaueignung [online], 2018 [Zugriff am: 16. Oktober 2019]. Verfügbar unter: http://www.tfz.bayern.de/mam/cms08/rohstoffpflanzen/dateien/tfz_bericht_54_dauerkulturen_ges.pdf

5. BRAWU. Bewertung von Riesenweizengras im Vergleich mit praxisüblichen Anbausubstraten unter Aspekten des Pflanzenbaus, der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes (BRAWU). Teilvorhaben 1: Agronomischer Vergleich von Riesenweizengras mit Energiepflanzenfruchtfolgen, 2019.

6. Lunenberg, T.; Hartmann, A. Riesenweizengräser – Sortenunterschiede am Standort Straubing, 2016. TFZ-Merkblatt. Verfügbar unter: https://daten.ktbl.de/dslkrpflanze/postHv.html;jsessionid=4B0BC035F682369829465F296733CA47

7. Wurth, W.; Jilg, A.; Messner, J.; Löffler, C.; Elsäßer, M.; Züricher, A. Was leisten „alternative“ Kulturen im Vergleich zu Energiemais? [online], 2015. Verfügbar unter: https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/ipz/dateien/aggf_2015_alle.pdf

8. Biertümpfel, A. Prüfung der Anbau- und Verwertungseignung alternativer Biogaspflanzen unter Thüringer Bedingungen, 2015. Abschlussbericht Projekt-Nr.: 94.16. Verfügbar unter: http://www.tll.de/www/daten/pflanzenproduktion/nawaro/ainfo/AB_94_16_altnatBiogpfl.pdf