Weitere 10 Jahre EEG-Vergütung durch das Ausschreibungsmodell

Warum sollte man auf diese Technik/Entwicklung umsteigen?

Betreiber von Biogasanlagen können eine 10-jährige Förderung im Anschluss an ihre 20-jährige EEG-Vergütung erhalten. Das sogenannte Ausschreibungsmodell kann abhängig der Rahmenbedingungen eine Möglichkeit darstellen, die Anlagen weiterhin wirtschaftlich zu betreiben.

Stand der Entwicklung 

Anstelle von festen Vergütungssätzen wird die Einspeisevergütung über Ausschreibungen bestimmt. Die Höhe der Förderung wird über ein eigenes Gebot in Form von Menge in kW und Preis in ct/kWh festgelegt, sofern ein Zuschlag erhalten wurde.

Jährlich werden für Strom aus Biomasse 200 MW Leistung für Neuanlagen und Bestandsanlagen ausgeschrieben. Die Teilnahme von bestehenden Biogasanlagen wird jährlich zunehmen, da bei vielen demnächst die 20-jährige Förderung auslaufen wird. Das bedeutet zukünftig eine stärkere Preiskonkurrenz, also geringere Gebotspreise und damit Förderungen, um einen Zuschlag zu erhalten. Da außerdem auch jährlich engere Vorgaben bezüglich des eingebrachten Maisanteils (sog. Maisdeckel) einzuhalten sind, was mit einem Umstieg auf alternative Substrate und damit mit höheren Kosten verbunden ist, kann es sich lohnen, bereits vor Ablauf der eigenen EEG-Vergütung an der Ausschreibung teilzunehmen.

Erfahrungen der ersten fünf Biomasseausschreibungen zeigen, dass in den Jahren 2017 bis 2020 vergleichsweise wenig Betreiber von Bestandsanlagen auf das Ausschreibungsmodell umgestiegen sind. Zudem waren alle Ausschreibungen unterzeichnet, es wurden im Durchschnitt nur 35% der Ausschreibungsmenge bedient. Auffällig sind die vergleichsweise hohen Gebotsausschlüsse, die auf Formfehler in den Anträgen zurückzuführen sind, siehe Abbildung 1:

Abbildung 1: Biomasseausschreibungen 2017 bis 2020 (eigene Darstellung nach (4))

Die durchschnittliche Förderhöhe lag für Bestandsanlagen bei etwa 14,11 ct/kWh, was noch unter den Gebotsobergrenzen liegt. Die Obergrenze wurde für das Jahr 2017 mit 16,90 ct/kWh und mit einer jährlichen Degression von 1% festgelegt (vgl. §39f Abs. 5, Nr. 3 EEG 2017). Zum Vergleich lag die Grenze im April 2020 bereits bei 16,40 ct/kWh. (4)

Rechtliche Situation

Seit 2019 finden im Jahr jeweils zwei Ausschreibungsrunden statt, deren Leistungsmengen sich aus der Hälfte der jährlich verfügbaren ergibt. Eine Teilnahme an der Ausschreibung ist frühestens acht Jahre vor dem Auslaufen der 20-jährigen EEG-Vergütung möglich. Nach dem Erhalt eines Zuschlags muss innerhalb von drei Jahren in den Betrieb gemäß den Ausschreibungsregularien gewechselt werden (§39f Abs 1,2 EEG 2017). Ein Wechsel bedeutet für den Betreiber, dass die Anlage zukünftig rechtlich als Neuanlage gilt und nach den regulatorischen Anforderungen des EEG 2017 betrieben werden muss.

Zu diesen zählen zum einen die Bestimmungen nach §39h Abs. 1 EEG 2017 in denen bis zum Jahr 2022 eine Abnahme des Einsatzes von Mais als Substrat in seinem Masseanteil gefordert wird. Bei einem Zuschlag im Jahr 2020 dürfen noch 47 Masseprozent Mais als Substrat in den Fermenter eingebracht werden, in den Jahren 2021 bis 2022 ist der Anteil auf 44 Masseprozent begrenzt (2). Für die Anschlussjahre sind noch keine Vorgaben festgelegt, allerdings ist von einer weiteren Reduzierung des Maisanteils auszugehen.

Technisch muss die Anlage dazu fähig sein, bedarfsgerecht zu erzeugen. Das bedeutet für den Anlagenbetreiber, dass mindestens eine doppelte Überbauung (100% Zubau der Blockheizkraftwerks-Leistung) vorliegt. Diese kann allerdings auch passiv durchgeführt sein, indem nur Gebote für die Hälfte der installierten Leistung abgegeben werden.

Weiterhin muss sichergestellt werden, dass die Gärreste mindestens 150 Tage in einem gasdichten Behälter gelagert werden können (§9, Abs. 5 EEG 2017). Auch gilt ein Verbot der Eigenstromnutzung, sofern der Strom nicht für den direkten Anlagenbetrieb verwendet wird (1).

Wirtschaftlichkeit

In jedem Fall lohnt es sich für Anlagenbetreiber sich frühzeitig mit dem Thema der Ausschreibung zu befassen und ggf. Vorüberlegungen zu treffen, unter welchen Rahmenbedingungen ein zukünftiger Betrieb wirtschaftlich tragbar wäre. Aus Sicht des Ausschreibungsmodells ist dabei neben der Gebotshöhe auch das Timing wichtig. Möglicherweise kann es lohnenswert sein, bereits früher in das neue Fördermodell zu wechseln. Damit kann einerseits ein höherer Maisdeckel gesichert, andererseits die Preis- und Mengenkonkurrenz, die spätestens 2025 zu erwarten ist, vermieden werden.       

Es ist derzeit noch nicht bekannt, wie sich die jährlichen Ausschreibungsmengen in Zukunft entwickeln werden. Unter der Annahme, dass es bei 200 MW im Jahr bleibt, zeichnet sich folgendes Bild, das im Rahmen eines Projekts unter der Annahme erstellt wurde, dass jeder Anlagenbetreiber ein Jahr vor Ablauf der EEG-Förderung an der Ausschreibung teilnimmt (dies ist eine Modellannahme, die viele Aspekte außer Acht lässt, was die Problematik der Mengenkonkurrenz allerdings nicht beeinträchtigt):

Abbildung 2: Abschätzung zur Entwicklung der Biomasseausschreibungen (2)

Da die Ausschreibungsmengen, die in einem Jahr nicht erreicht wurden in das nächste Jahr übertragen werden, ist zunächst bis 2024 ein Anstieg des jährlichen Ausschreibungsvolumens zu erwarten. Es ist zu sehen, dass die ausgeschriebene Leistung ab 2025 bei weitem zu gering ist und viele Anlagenbetreiber keinen Zuschlag erhalten werden. Außerdem sorgt die zunehmende Konkurrenz durch (neue) Holzkraftwerke dafür, dass diese aufgrund ihrer geringeren Kostenstrukturen einen nicht unerheblichen Teil des knappen Angebots sichern können, da sie mit niedrigeren Fördersätzen auskommen und entsprechende Gebote einreichen (2).

Durch die verschärften Regelungen bezüglich des Einsatzes von Mais ist bei einer späteren Teilnahme auch davon auszugehen, dass der gesamte Substrateinsatz teurer werden kann.    

Bei einer Umstellung verliert der Betreiber sämtliche Ansprüche auf andere Förderungen wie beispielsweise die Flexibilitätsprämie, kann dafür aber den Flexibilitätszuschlag geltend machen. Da für eine Teilnahme an der Ausschreibung mindestens eine doppelte Überbauung gefordert ist, dürfen die Kosten für die Flexibilisierung nicht übersehen werden. Bezieht man bereits die Flexibilitätsprämie, so sollte in Erwägung gezogen werden, sofern möglich mit der Umstellung auf die Ausschreibung so lange zu warten, wie die Prämie noch ausbezahlt wird (3).

Nachfolgend ist eine vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt, in der zwei Szenarien für eine typische flexibilisierte 500kW-Biogasanlage verglichen werden. Im Szenario B erfolgt der Zuschlag in der Biomasseausschreibung drei Jahre später als im Szenario A, was eine geringere Stromvergütung zur Folge hat. Beim Szenario B wird zudem die Auswirkung von 10% höheren Biogasgestehungskosten aufgezeigt. Allerdings stammt ein Teil der höheren Kosten aus der Errichtung eines großen Biogasspeichers, wodurch die Blockheizkraftwerke flexibler als im Szenario A betrieben werden können. Dadurch werden im Szenario B höhere Mehrerlöse durch die flexible Fahrweise erzielt.

Abbildung 3: Überschlagsrechnung Wirtschaftlichkeit

Es zeigt sich deutlich, dass bereits geringe Änderungen in den Rohbiogaskosten und den Gebotspreisen die Wirtschaftlichkeit der Anlage stark herabsetzen. Eine genaue Kenntnis über die Kostenstrukturen der eigenen Anlage sind also von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Teilnahme an der Biomasseausschreibung.

Ökologie

Der Erhalt von möglichst vielen Bestandsanlagen ist dann ökologisch wünschenswert, wenn die Biogasanlage zum Klimaschutz und am besten auch zur Artenvielfalt beiträgt. Ein hoher Beitrag zum Klimaschutz ist dann gegeben, wenn Reststoffe wie Gülle oder ökologisch wertvolle Substrate (z.B. mehrjährige Blühwiesen) als Substrate eingesetzt werden. Dabei ist hervorzuheben, dass dies stets unter einem Nachhaltigkeitsgedanken geschehen sollte, um tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Ökologie zu besitzen (2). Allerdings gibt es hierzu meist nur wenig Spielraum, da durch das Ausschreibungsmodell ein deutlicher Preisdruck vorhanden ist, möglichst günstig Rohbiogas und daraus wiederum Strom zu erzeugen.

Betriebliche Umsetzung

Die Gebote für die Folgeausschreibungen können bis zu dem Tag der Ausschreibung abgegeben werden. Um zu verhindern, dass man aus formellen Gründen von der Gebotsrunde ausgeschlossen wird, sind folgende Aspekte zur richtigen Abgabe der Gebote zu beachten:

  • Alle Formulare sind am Computer auszufüllen – handschriftlich ausgefüllte werden nicht angenommen.
  • Die Gebotsmenge ist in kW ohne Nachkommastelle anzugeben, der Gebotswert in Cent mit zwei Nachkommastellen.
  • Neben den typischen Kontaktdaten sind außerdem Informationen zum zuständigen Übertragungsnetzbetreiber sowie zu Standort, Bundesland, Landkreis, Gemeinde, Gemarkung und Flurstück der Anlage zu übermitteln.

Weiter ist im Vorfeld eine finanzielle Sicherheit zu leisten, die mögliche Strafzahlungen bei Nichtrealisierungen decken sollen. Diese beträgt 60 € pro installierter Leistung in kW (1).   

Zum Weiterlesen

1. DIHK, FvB (Hrsg.). Leitfaden Ausschreibungen für Biomasseanlagen [online], 2017. Verfügbar unter: https://www.dihk.de/resource/blob/2990/8739dff4a5343b2b223789c9ccc4817a/leitfaden-ausschreibung-biomasseanlagen-data.pdf

2. IZES, DBFZ, UFZ. Analyse der gesamtökonomischen Effekte von Biogasanlagen. Wirkungsabschätzung des EEG (MakroBiogas) [online], 2018. Verfügbar unter: http://www.izes.de/sites/default/files/publikationen/ST_16_075.pdf.

3. DBFZ, Fraunhofer IEE, vBVH. Leitfaden Flexibilisierung der Strombereitstellung von Biogasanlagen [online], 2019. Verfügbar unter: https://www.dbfz.de/fileadmin//user_upload/Referenzen/Studien/20191108_LeitfadenFlex_Abschlussbericht.pdf

4. Bundesnetzagentur. Ausschreibungen für Biomasse-Anlagen [online], 2020 [Zugriff am 10. Juni 2020]. Verfügbar unter: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Ausschreibungen/Biomasse/Ausschr_Biomasse_node.html