Soziale Machbarkeit vor Ort prüfen

Inwieweit ist Bereitschaft der Menschen der Kommune für eine gemeinschaftliche Energieversorgung ausgeprägt? Wie kann man die Bereitschaft, bei dem Vorhaben aktiv mitzuwirken, fördern?

von Peter Schmuck und Marianne Karpenstein-Machan

Hier gibt es eine Vielzahl möglicher Aktivitäten – von gezielten informellen Gartenzaungesprächen bis zu schriftlichen Einwohnerbefragungen. Wichtig ist es nach unseren Erfahrungen, die Resonanz auf den Funken der Idee, der Vision in der Kommune herauszufinden. Sie können die Chance auf gute Resonanz erheblich steigern, wenn Sie sich die Erfolgsfaktoren bei bereits erfolgreich umgesetzten kommunalen Vorhaben anschauen, zum Beispiel Besuche bei Vorreiter-Kommunen, Einbindung der lokalen Presse oder gemeinsame Feiern.

Grundsätzlich sollte in der frühen Planungsphase stets eine Informationsveranstaltung stattfinden, in der Sie die Bürger über das Vorhaben in Kenntnis setzen und auch die Hintergründe aufzeigen, worum es in dem Projekt geht und welche Ziele damit verfolgt werden. Dies bietet auch die Möglichkeit, Fragen zu beantworten und Zweifel auszuräumen, die häufig durch mangelndes Verständnis des geplanten Vorhabens entstehen. Bereits an der Anzahl der Teilnehmer dieser Veranstaltung kann abgeschätzt werden, ob das grundsätzliche Interesse der Menschen vor Ort vorhanden ist.

Es sollte auch im weiteren Verlauf des Projektes darauf geachtet werden, die Beteiligten „auf dem Laufenden“ zu halten und über die aktuellen Fortschritte zu informieren.

  • Hier finden Sie erfolgreiche Schritte für den Fall von Bioenergiedörfern:

https://bioenergiedorf.fnr.de/fileadmin/bioenergiedorf/dateien/Leitfaden_Wege_zum_Bioenergiedorf.pdf, (S. 25-38).

https://mediathek.fnr.de/media/downloadable/files/samples/b/i/bioenergiedoerfer_2014.pdf, (S. 22ff).

  • Wie ein Initiativtreffen aufgebaut werden kann und was man dabei zu beachten hat, ist hier dargestellt:

https://www.unendlich-viel-energie.de/media/file/440.aee_leitfaden_netzwerkbildung.pdf  (S.6)

  • Hier finden Sie Erfolgsfaktoren in Zukunftskommunen, in denen man neben Energieprojekten auch weitere Transformationsfelder bereits erfolgreich „beackert“ hat:

https://zukunftskommunen.de/kommunen-projekte/ (wenn Sie hier Ihre Postleitzahl eingeben und bei Filter „Erneuerbare Energie“ auswählen, finden Sie erfolgreiche EE-Kommunen in Ihrer Umgebung, deren Erfolgsfaktoren im Portrait genannt sind)

  • Hier finden Sie Hinweise, wie die aktive Mitwirkung der BürgerInnen vor Ort gefördert werden kann:

https://zukunftskommunen.de/beteiligungen/


Allianzen mit Lokalpolitik und Verwaltung

Sprechen Sie Ihre Gemeinderäte, OrtsvorsteherInnen, BürgermeisterInnen und zuständige VertreterInnen der Kommunalverwaltung an. Stellen Sie die Chancen Ihrer Vision anhand von konkreten Beispielen dar.

von Peter Schmuck und Marianne Karpenstein-Machan

Um die Kommune einzubinden, ist es hilfreich, wenn Sie in Ihrer Gruppe überlegen, wer zu wem von den Anzusprechenden „einen guten Draht“ hat – und das Erstgespräch führt. Wenn keiner mit der fraglichen Person bekannt ist, informieren Sie sich im Vorfeld über diese Person.

Einerseits hilft die Zusammenarbeit mit Personen, die in der Kommune ein gewisses Ansehen genießen, dabei, auch andere zu motivieren, am Projekt teilzunehmen. Weiterhin müssen in der Planung stets Aspekte berücksichtigt werden, die von kommunalen Entscheidungsträgern unterstützt werden müssen. Sind diese also bereits Teil des Projektes, können beispielsweise Fragen zur Wegenutzung oder zum Bau der Heizzentrale schneller und einfacher geklärt werden. Auch aus technischer Sicht lohnt sich eine Einbindung der Lokalpolitik, da öffentliche Gebäude in der Regel gute Wärmekunden sind, was die gesamte Effizienz steigert. Auch steht beispielsweise mehr Platz für mögliche PV-Dachflächen zur Verfügung, wenn diese auf öffentlichen Gebäuden errichtet werden.

  • Hier finden Sie Informationen für den Fall von Bioenergiedörfern:

https://bioenergiedorf.fnr.de/fileadmin/bioenergiedorf/dateien/Leitfaden_Wege_zum_Bioenergiedorf.pdf , (S.28, 30).

https://mediathek.fnr.de/media/downloadable/files/samples/b/i/bioenergiedoerfer_2014.pdf, (S. 21-22).

  • Die Rolle der Kommunen wird in dieser Broschüre für unterschiedliche Bürgerenergieprojekte anschaulich dargestellt:

https://www.thega.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/thega_broschuere_energiewende_vor_ort.pdf

  • In dieser Broschüre sind interessante Praxisbeispiele von der Zusammenarbeit von Bürgern und Kommunen dargestellt:

https://www.unendlich-viel-energie.de/media/file/34.AEE_DGRV_Energiegenossenschaften_2013_web.pdf

  • Welche Vorteile die Einbindung kommunaler Akteure bringen, ist in folgendem Leitfaden am Beispiel der nachhaltigen Wärmeversorgung dargestellt:

https://www.boell.de/sites/default/files/waermewende-in-kommunen_leitfaden.pdf?dimension1=division_oen (S.71-73)


Kompetenzen im Ort checken

Überlegen Sie gemeinsam, für welche Teile Ihrer Vision Experten im Ort vorhanden sind: Z.B. Finanzierung, Technik, Landwirtschaft, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit. Sprechen Sie diese an. Bilden Sie informelle Arbeitsgruppen, die einzelne Aspekte des Vorhabens genauer checken

von Peter Schmuck und Marianne Karpenstein-Machan

Die Gründung eines Energiewendedorfes ist eine Aufgabe, die viele unterschiedliche Kompetenzen fordert. Deshalb ist es empfehlenswert, die Arbeitsschritte in Themenfeldern zu gliedern und nach Möglichkeit Experten und Expertinnen für die einzelnen Bereiche als Unterstützer zu gewinnen. Zu technischen Fragen können ansässige Ingenieursbüros oder private BewohnerInnen mit Fachkenntnissen zurate gezogen werden. Insbesondere genossenschaftlich geführte Banken und deren Vertreter sind in der Regel offen für gemeinsame Projekte und können als mögliche Ansprechpartner zum Thema Finanzierung fungieren. Die Themen Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit lassen sich gut mit den Aufgaben der Kommune verknüpfen, weshalb es sich anbietet, auch die Gemeinde auf eine gemeinsame Projektabwicklung anzusprechen.

Einer Befragung des Bundesministeriums für Verkehr und digitaler Infrastruktur zufolge ist eine aktive Beteiligung von Akteuren vor Ort der häufigste Grund für positive Erfahrungen bei energietechnischen Konzepten:

Abbildung 1: Erfahrungen bei der Erstellung energetischer Konzepte (BMVI 2015, S.26)

In dem Leitfaden „Wege zum Bioenergiedorf“ hat das Team der Universität Göttingen einige der hier vorgestellten Schritte für den Fall von Energiewendedörfern mit Schwerpunkt Biomasse-Nutzung detailliert beschrieben. Darauf aufbauend wurde eine weitere Version veröffentlicht, die diese Ausführungen ergänzt.

  • Auf den Seiten 29-37 der folgenden Broschüre finden Sie Anregungen für die ersten Schritte der Netzwerkbildung in Ihrer Kommune:

https://bioenergiedorf.fnr.de/fileadmin/bioenergiedorf/dateien/Leitfaden_Wege_zum_Bioenergiedorf.pdf , (S. 29-37)

  • Ab Seite 20 sind in diesem Leitfaden weitere Aspekte der notwendigen Kompetenzen und ihren Schlüsselfiguren erläutert:

https://mediathek.fnr.de/media/downloadable/files/samples/b/i/bioenergiedoerfer_2014.pdf, (S. 20ff).

  • Im Leitfaden „Wärmewende für Kommunen“ sind Schlüsselkompetenzen und mögliche Aufgabenfelder verschiedener Akteure innerhalb einer Kommune aufgezeigt:

https://www.boell.de/sites/default/files/waermewende-in-kommunen_leitfaden.pdf?dimension1=division_oen (S.76-79)


InitiatorInnengruppe bilden

Sprechen Sie Bekannte/Freunde im Ort auf Ihre Idee hin an.

von Peter Schmuck und Marianne Karpenstein-Machan

Beginnen Sie damit, Menschen Ihrer Kommune zu kontaktieren, die Sie bereits gut kennen und von denen Sie sich vorstellen können, dass sie Ihrer Idee gegenüber offen sein könnten. Hier ist es noch nicht so wichtig, strategisch an Entscheidungsträger und potentielle MultiplikatorInnen zu denken – das folgt im nächsten Schritt. Hier geht es darum, dass Sie sich vergewissern, dass es im Ort eine Kerngruppe von guten Bekannten gibt, in deren Kreis Sie sich wohlfühlen und mit denen gemeinsam Sie Lust bekommen und Freude verspüren, die folgenden Schritte anzugehen.

Für diesen Schritt gibt es kein Patentrezept. Dennoch legen Sie hier das Fundament des Erfolges: In dieser Gruppe sollte die „Chemie“ stimmen, also die Grundüberzeugung der Sinnhaftigkeit und Erreichbarkeit der angestrebten Vision gegeben sein. Wenn Sie großes Vertrauen in die Beteiligten spüren, sind Sie auf einem guten Weg. Wie folgende Abbildung zeigt, beginnt eine erfolgreiche Netzwerkbildung stets mit der Phase der Anbahnung. Erst wenn ein erfolgreiches Fundament an InitiatorInnen gelegt ist, kann die Projektarbeit beginnen:

Abbildung 1: Phasen der Bildung eines Netzwerkes (AEE 2016)

Beispiele aus der Praxis können dabei helfen, die Vielseitigkeit der Umstände greifbar zu machen und zu zeigen, welche Rolle dabei eine gute InitiatorInnengruppe spielt. In den Büchern von Peter Schmuck „Die Kraft der Vision“ und Marianne Karpenstein-Machan et al. „Kraft der Vision – Pioniere und Erfolgsgeschichten der regionalen Energiewende“ finden Sie zahlreiche Analysen und Geschichten über die Geburt und Umsetzung erfolgreicher Nachhaltigkeits-Visionen in verschiedenen Sektoren:

Kraft der Vision – Pioniere und Erfolgsgeschichten der regionalen Energiewende:

https://energiewendedörfer.de/download/

Kraft der Vision – Plädoyer für eine neue Denk- und Leitkultur:

https://www.oekom.de/buch/die-kraft-der-vision-9783865817112